Menu Kreisgruppe Freyung-Grafenau BUND Naturschutz in Bayern e. V.

Führten die Gruppe ins „trockene“ Moor: Ivana Bufkova (2. von links) und Pavel Storch (3. von links) erläutern die Vision eines revitalisierten Hochmoors auf einer ehemaligen Torfabbaufläche nahe Volary

Ein „schauriger“ Traumtag in Böhmen

Exkursion der Kreisgruppe des Bund Naturschutz führte in Moore des Böhmerwaldes

 

FRG/CZ. Ein wenig verwunschen und geheimnisvoll ist sie schon – die Welt der Berg- und Tal-Hochmoore. „Licht ins Dunkel“ brachte eine Lehrwanderung der Bund Naturschutz Kreisgruppe des Landkreises Freyung-Grafenau ins benachbarte Tschechien. Moore des Böhmerwaldes standen auf dem Programm, das Michael Haug organisiert hatte. Gemeinsam machten sich deutsche und tschechische „Moor-Experten“ sowie „Moor-Interessierte“ auf, um diesen besonderen Lebensraum zu erkunden.

 

Ein leichter Schauer läuft einem über den Rücken. Man wird das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden. In den Moorfichtenwäldern der Sumava könnte sich hinter einer jeder verwachsenen Baumgestalt ein Märchenwesen blicken lassen. Jedenfalls sieht das die vierjährige Ida so: Für sie ist dies eine wahrhaft verwunschene Welt. Die „Großen“, die sich der Lehrwanderung der Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bund Naturschutz angeschlossen haben, interessieren sich für Gnome und Hexen nur nebensächlich. Sie lauschen den Ausführungen von Pavel Storch, einem gebürtigen Tschechen, der für den Nationalpark Bayerischer Wald arbeitet. Dunkel und sehr feucht seien diese Moorfichenwälder, so Storch und weist auf die verkrüppelten Stämme hin: „Die meisten dieser Bäume sind weit über 250 Jahre alt, teilweisen haben sie sogar ein Alter von über 300 Jahre aufzuweisen“.

Durch dichtes Heidelbeergestrüpp – es nieselt leicht und der feuchte Boden lässt einen einsinken - stapfen die Teilnehmer weiter, während Pavel Storch über die Borkenkäfersituation im Nationalpark Sumava erzählt. „Da ging es in diesem Jahr emotional wirklich hoch her.“ Er zeigt auf eine freie Fläche, die vor nicht allzu langer Zeit noch bestockt gewesen war: Hier hat man die gefällten Fichten händisch entrindet und anschließend inventarisiert. Sie werden nun für wissenschaftliche Zwecke weiterhin beobachtet.

Trockenen Fußes waren die Wanderer zuvor durch den Königsfilz (Chalupska slat) hin zum größten „Moorauge“ Tschechiens gelangt. Über einen Bohlensteig wurde dieses malerische Hochmoor am Ortsausgang von Borova Lada (Ferchenhaid) zugänglich gemacht, vorbei an früher abgetorften Flächen, die mit Zwergsträuchern wie Rauschbeere, Moosbeere und Heidekraut bewachsen sind. Endpunkt des Weges ist ein See, der im schwarzen Wasser die umliegende Landschaft wiederspiegelt.

Ein völlig anderes Landschaftsbild erwartet die Exkursionsteilnehmer an einer ehemals industriell abgebauten Hochmoorfläche. Das Hochmoor Soumarsky Most unweit von Volary liegt im Nationalpark Sumava und ist Teil eines umfangreichen Programms zur Revitalisierung von Feuchtstellen und Hochmooren. Ivana Bufkova, eine ausgewiesene Expertin für Moore in Mitteleuropa und Mitarbeiterin des tschechischen Nationalparks, zeigt bereits Erreichtes: „Hier wurden die früher abgebauten Stellen nicht künstlich mit Gehölzen bepflanzt“. Ganz im Gegenteil, man überdeichte Entwässerungsgräben und schuf kleine seichte Gruben, die sich selbständig mit Wasser füllten, erklärt Bufkova. „Die so hergestellten Feuchtstellen wachsen heutzutage erfolgreich mit der entsprechenden Vegetation zu“, so die Wissenschaftlerin.

Für den Abschluss der Lehrwanderung hat sich Michael Haug, der Organisator des Böhmentags, noch ein „Zuckerl“ einfallen lassen. Gemeinsam mit einem Ranger des Sumava-Nationalparks dürfen die Moor-Interessierten das größte Hochmoor Tschechiens betreten. Dort zeigt sich die wunderbare Pracht der Pflanzenwelt der Hochmoore in seiner ganzen Ausprägung. Moosarten, Seggen, Wollgras, Heidekraut, Rosmarinheide – sie alle reihen sich hier aneinander. Und natürlich finden sich die berühmten „fleischfressenden“ Pflanzen auf der Hochmoorfläche, die trotz ihrer geringen Größe botanisch Interessierte in Verzückung bringen können. Noch schnell eine Handvoll Rauschbeeren genascht, bevor die Wanderer die Heimreise nach Bayern antreten. (grc)